Was ist Zöliakie?
Zöliakie ist eine Erkrankung der Dünndarmschleimhaut, die chronisch verläuft und deren typisches Zeichen eine Glutenunverträglichkeit ist. Die Zöliakie gilt als Mischform aus Allergie und Autoimmunkrankheit. Auch bekannt ist die Krankheit unter den Bezeichnungen einheimische/nicht-tropische Sprue, Heubner-Herter-Krankheit oder glutensensitive Enteropathie. Der Begriff Zöliakie stammt ursprünglich aus dem Griechischen und erste Hinweise auf die Krankheit sind bereits aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus belegt. Erstmalig beschrieben wurde Zöliakie von dem Engländer Samuel Gee als eine Störung der Verdauung insbesondere bei Kleinkindern. Die Ursache für diese Verdauungsstörungen konnte 1950 von H. W. Dicke ausgemacht werden.
Gluten ist ein Klebeeiweiß, das in vielen Getreidesorten vorkommt und dadurch auch in vielen Lebensmitteln, wie z. B. in Brot und anderem Gebäck, enthalten ist. Bei der Zöliakie wird durch die Aufnahme von Gluten über die Nahrung eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut ausgelöst, die i. d. R. mit einer Schädigung bzw. Zerstörung der Dünndarmausstülpungen (Darmzotten) einhergeht. Nährstoffe können dadurch schlechter aufgenommen werden und Symptome wie Appetitlosigkeit, ungewollter Gewichtsverlust, Müdigkeit, Durchfall und Erbrechen treten auf. Bei Kindern mit Zöliakie kann die mangelnde Aufnahmefähigkeit des Körpers für Nährstoffe zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen führen.
Eine genetische Veranlagung für die (einheimische) Zöliakie wird – u. a. aufgrund von Zwillingsbeobachtungen, bei denen im Fall von eineiigen Zwillingspaaren meistens beide Geschwisterteile von der Krankheit betroffen waren – vermutet. Zzt. ist eine ursächliche Behandlung der Zöliakie nicht möglich, die Betroffenen müssen eine lebenslange glutenfreie Ernährung einhalten, um Beschwerden und Folgeschäden zu vermeiden. Bei Einhalten dieser Diät können sich Defekte der Darmzotten ggf. wieder regenerieren. Männer sind weniger häufig von der Krankheit betroffen als Frauen.
Zöliakie stellt nicht nur im Bezug auf Folgeschäden, die durch die mangelnde Aufnahme von Nährstoffen entstehen können, einen Risikofaktor dar, sondern erhöht unbehandelt z. B. auch das Risiko, an einem sog. Non-Hodgkin-Lymphom oder an Krebsarten des Verdauungstraktes zu erkranken.
Abzugrenzen von der sog. einheimischen Sprue ist die tropische Sprue, die zwar dieselben Symptome auslöst, aber deren Ursache eine andere ist. Zwar ist die Ursache noch nicht ganz geklärt, jedoch wird eine Infektion mit Erregern vermutet. Im Gegensatz zur nicht-tropischen Sprue ist diese Form heilbar und erfordert keine lebenslange Diät. Unbehandelt führt die tropische Sprue jedoch in ca. 30 % der Fälle zum Tod der Patienten.
sz